Literarische Schwangerschaftsbegleiter: Teil 3 – „HypnoBirthing“

Heute stelle ich Euch einen meiner aktuellen Favoriten im Bereich der literarischen Schwangerschaftsbegleiter vor: „HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt“ von Marie F. Mongan.

Das Wort „HypnoBirthing“ verrät bereits, worum es bei diesem Geburtskonzept geht: eine Geburt unter Hypnose. Während viele Menschen bei Hypnose an einen Zustand denken, bei dem man ohne eigenen Willen von anderen beeinflussbar ist – man denke nur an diverse Zaubereien während TV-Sendungen – ist hier mehr eine Art „Flow“ gemeint. Man konzentriert sich anhand ausgewählter Techniken komplett auf sich und sein Kind. In diesem Zustand ist man zwar versunken, aber weiterhin ansprechbar. Man hat sich unter Kontrolle und kann jederzeit aktiv reagieren. Dies ist vergleichbar damit, wenn man bei einer geliebten Tätigkeit Zeit und Raum völlig um sich herum vergisst.
Beim HypnoBirthing geht es entsprechend darum, sich aktiv in diesen losgelösten, konzentrierten Zustand zu versetzen. Das Ziel dabei: Eine deutlich erleichterte Geburt, bei der die Schmerzen nicht als unerträglich wahrgenommen werden.
Wie kann das funktionieren?

Im Buch werden zunächst einige psychologische Grundlagen erklärt: Welchen Einfluss hat Angst auf die Geburt? Marie F. Mongan geht in diesem Kontext auch in die Geschichte zurück und beschreibt, wie sich in den vergangenen Jahrhunderten überhaupt ein angstvolles Denken mit verschiedenen Glaubenssätzen entwickeln konnte. Denn Angst führt zu Verkrampfungen, die wiederum in Schmerzen münden. In der Konsequenz erklärt Mongan, wie die Furcht und die damit im Zusammenhang stehenden negativen Denkmuster aufgelöst werden können.

Hilfreich sind dabei die „vier Basistechniken des HypnoBirthing: Atmung, Visualisierung, Entspannung, Vertiefung“ (1). Jeder Technik ist im Folgenden ein Kapitel gewidmet. So gibt es zum Beispiel für die unterschiedlichen Phasen der Geburt drei Atemtechniken: Neben der Ruheatmung für die Entspannung zwischendurch, hilft die Wellenatmung bei der Wehenverarbeitung. Die Geburtsatmung hingegen kommt ganz zum Schluss zum Einsatz. Anhand der Wortwahl unterscheidet sich HypnoBirthing bereits von der konventionellen Geburtsmedizin. Es werden durchweg andere, positivere Begriffe verwendet: Geburtswellen statt Wehen, Gebären statt Entbinden, Geburt statt Austreibung. All diese in der Klinik verwendeten Begriffe sind bereits mit Schmerz und Passivität verbunden. Man hat Wehen, es tut weh und dann wird man entbunden. HypnoBirthing leitet entsprechend dazu an, das Denken umzuprogrammieren, selbstbestimmt zu reagieren und sich nicht den Schmerzen oder dem Klinikpersonal passiv auszuliefern. Darum ging es auch bei den Klinikbesichtigungen, an denen ich teilgenommen habe. Beim großen Thema Schmerzen wurde stets erklärt, welche Medikamente das Personal den Müttern in diesem Fall in welcher Dosis verabreichen könne.

Dabei wären in diesem Fall die vorgestellten Entspannungstechniken kombiniert mit Visualisierungen und bewusstem Atem eine bessere Alternative, die man zumindest erwähnen könnte. Im Bereich Entspannung spielt auch der Geburtsbegleiter – beispielsweise der werdende Vater – eine Rolle. Er kann die Mutter zu einer progressiven Muskelentspannung anleiten oder ihr mit der leichten Berührungsmassage zur Seite stehen.

Die vorgestellten Visualisierungen wie die bekannte Regenbogenentspannung, die sich öffnende Blüte und so weiter helfen bei der Geburt, aufkommende oder bereits vorhandene Panik durch Ablenkung in den Griff zu bekommen. Insbesondere die Vertiefung mit der Handschuhentspannung oder der Übung des sensorischen Kontrollschalters, mit deren Hilfe man sich vorstellt, aktiv die Schmerzen mittels einer Hebelamatur auszuschalten, sind sehr effektiv. Allerdings erfordert all dies tägliche Übung.

Ich habe als Geburtsvorbereitung ein Programm für mich zusammen gestellt: So gehe ich täglich die drei Atemübungen durch, rufe mir dabei einzelne Visualisierungen ins Gedächtnis – so habe ich bei der Geburt alles abrufbereit. Auch die Regenbogenentspannung höre ich mir täglich in meiner Mittagspause an, wobei ich jedoch immer einschlafe. Dies ist laut dem Buch jedoch normal und auch gut – ihre Wirkung entfaltet sich im Unterbewusstsein trotzdem.
Es reicht also nicht aus, sich das Buch durchzulesen und die Dinge nachvollziehen zu können. Es erfordert tägliche Übung und das ist eine wirklich intensive Geburtsvorbereitung. Nach den Übungseinheiten fühle ich mich positiv aufgeladen und voller Zuversicht. Unterstützend sind in diesem Zusammenhang auch die von der Autorin vorgestellten „Affirmationen für eine leichtere, angenehmere Geburt“ (2). In welchem Ausmaß negative Gedanken den Körper beeinflußen, habe ich selbst schon in diversen anderen Situationen erleben müssen. Warum also die Sache nicht umdrehen und dieses Prinzip positiv für sich selbst nutzen?

Neben den HypnoBirthing-Techniken gibt es im Buch noch weitere praktische Ratschläge: Welche Ernährungsweise kann Schwangerschaft und Geburt positiv beeinflussen? Welche Rolle spielen Bewegung und Dammmassage? Welcher Geburtsort ist für mich geeignet und wie kann ich mich auf ein Geburtsplanungsgespräch effektiv vorbereiten? Aber auch eventuell auftretende Probleme werden besprochen wie beispielsweise eine Geburt bei Beckenendlage, Frühgeburten und weiteres.

Zu guter Letzt werden Geburtsbeginn, die einzelnen Phasen mit detaillierten und wirklich hilfreichen Informationen beschrieben. Wie kann man die Geburt auf natürliche Weise anstupsen und welche Gebärpositionen sind wann besonders förderlich?
Aber auch der unmittelbaren Zeit nach der Geburt widmet Mongan einige Kapitel. Dabei legt sie den Fokus auf das Stillen und das Wochenbett. Wie kann man dieses gestalten, dass es sowohl für Eltern und Baby erholsam ist und dem Zauber des Kennenlernens gerecht wird? Und wie kann man zum Baby eine intensive Bindung aufbauen?

Insgesamt ist der Ton stets ermutigend und positiv, die Fakten werden dabei jedoch nicht außer Acht gelassen. Ich persönlich denke, dass man – wenn man wirklich konsequent den Übungen folgt – eine Geburt der anderen Art erleben kann. Ob diese nahezu schmerzfrei sein kann, wage ich zu bezweifeln. Dies ist von Frau zu Frau wohl unterschieden, jedoch würde ich nicht mit diesem Ziel an das HypnoBirthing herangehen. Auf jeden Fall ist man so gut vorbereitet und weiß sich zu helfen. Man verfällt nicht die passive und verängstigte Rolle, da man genug Wissen über die geburtlichen Abläufe hat.

Abgerundet wird das Buch übrigens durch eine Audio-CD, die neben einer Tiefenentspannung zur Geburtsvorbereitung noch eine Meditation mit dem Titel „Sich in sein Kind verlieben“ enthält. Mir persönlich hat die Stimme der Sprecherin allerdings überhaupt nicht gefallen. Daher verwende ich entsprechende Alternativen aus meinem Online-Hypnobirthing-Kurs. Diesen Kurs mache ich jeden Abend mit meinem Mann zusammen. Dies ist natürlich – insbesondere für Männer – deutlich spannender und praxisnäher, da man die Übungen vorgeführt bekommt, aktiv angeleitet wird und anhand von Videos eine konkretere Vorstellung bekommt. Nach einem langen Arbeitstag ist dies dann eine entspanntere Variante als sich eine langes Buch durchzulesen

Meine persönliche Erfahrung
Bei meiner ersten Geburt, die leider aus medizinischer Indikation nur per Kaiserschnitt durchgeführt werden konnte, wendete ich die vier Techniken trotzdem im Vorfeld an und dies mit Erfolg. Bis es wirklich losgeht, vergeht meistens trotzdem viel Zeit. In dieser Zeit fühlte ich mich jedoch nicht unruhig oder panisch, sondern versetzte mich mit Ruheatmung, progressiver Muskelentspannung und Visualisierung in einen wirklich entspannten, gelösten Zustand. Ich dachte nicht darüber nach, dass mir eine natürliche Geburt nun verwehrt sein würde und wie schlimm das wohl sei – nein, ich konzentrierte mich auf das Positive, nämlich darauf, dass ich mein Baby in wenigen Momenten in den Armen halten würde. Wir beiden würden das Ganze gesund überleben. Beim länger andauernden Prozess des Setzen der Rückenmarksbetäubung bekam ich von den Schmerzen, den diversen Einstiche nichts mit. Ich benutzte dazu die Übung des sensorischen Kontrollschalters und stellte mir mental vor, wie ich den Schmerz ausschaltete, wie diese Körperstelle einfach taub wurde. Und es funktionierte tatsächlich.

Bislang habe ich mich übrigens bei einer Klinik angemeldet. Bei diesem Gespräch erwähnte ich, dass ich mich mit HypnoBirthing vorbereite. Die anwesende Hebamme war davon ganz begeistert und positiv überrascht. Ich denke, es ist wichtig, die Hebammen in seine Pläne einzuweihen. Am Freitag habe ich ein Gespräch in einer weiteren Klinik und bin auf die Reaktionen dort gespannt. Ein wenig hängt davon auch die Entscheidung des Geburtsortes ab.

Aus diesem Grund bin ich optimistisch, dass das HypnoBirthing bei einer natürlichen Spontangeburt wirklich funktionieren kann. Man geht positiv an die Sache heran und hat nicht schon wochenlang vor der Geburt Angst vor all den Dingen, die passieren könnten. Für alle Frauen, die der Geburt mit gemischten Gefühlen entgegen sehen oder die bereits traumatische Erfahrungen durchleben mussten, ist dieses Buch eine Empfehlung wert. Es führt zu einer völlig anderen und deutlich positiveren Sichtweise, fernab vom heute üblichen Geburten-Standard.

Das Taschenbuch hat 317 Seiten und erschien erstmals 2008 im Mankau Verlag. Derzeit ist es für 19,95 Euro erhältlich.

 

Quellenangaben:
(1) Marie F. Mongan: HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt. Seite 140
(2) ebd, Seite 223