Entspanntes Fliegen mit Kleinkindern

Vor der Geburt wollten wir noch einmal einen richtig schönen erholsamen Urlaub machen! Einen Urlaub, in dem man sich um nichts kümmern muss, in dem man sich nach Strich und Faden verwöhnen lassen kann.

Bisher sah unser Urlaub immer so aus: Urlaub + Kleinkind = Ferienhaus

In einem Ferienhaus ist der Ablauf wie zuhause, nur eben an einem anderen Ort. Trotzdem muss man jeden Tag überlegen, was man kocht. Man muss einkaufen, das Ferienhaus in Schuss halten und so weiter. Wir fuhren an Orte, die man mit dem Auto relativ entspannt erreichen kann.
Dieses Mal wollten wir jedoch auch mal irgendwohin, wo es bereits Anfang März schon einigermaßen warm ist. Und dazu ein Hotel mit All-Inclusive. So einen Urlaub hatte ich bislang noch nie gemacht.

Da gab es nur eine Lösung: Wir mussten fliegen!

Fliegen mit Kleinkind stellte ich mir stets als größeres Abenteuer vor. Schließlich ist man nicht allein, sondern von diversen Leuten umgeben und man weiß gerade beim ersten Flug nicht, wie das Kind wohl reagiert.

Trotzdem, vom Fernweh gepackt, beschlossen wir, das Abenteuer zu wagen. Lange hatte ich im Vorfeld recherchiert und letztendlich ist das Experiment voll und ganz gelungen! Aber ohne diese Vorbereitung hätte es auch ganz anders laufen können.

Mit diesen zehn Tipps wird das Fliegen mit Kleinkind ein schönes Erlebnis!

Flugdauer bewusst auswählen
Für den ersten Flug wählten wir einen Flug, der 1. Nicht zu lange dauerte (3,5 Stunden) und bei dem es sich 2. Um einen Direktflug handelte. Fernreisen mit mehreren Stopps zwischendurch sind schon für uns Erwachsene bisweilen anstrengend – mit einem kleinen Kind, mit dessen Geduld es schnell vorbei sein kann, will ich mir das nicht vorstellen. Außerdem ist es auch wichtig, die Abflugs- und Ankunftszeit mit Bedacht auszuwählen (siehe Punkt 10).

Anreise zum Start-Flughafen gut planen

Unser Start-Flughafen war – theoretisch – eine Stunde von uns entfernt. Da wir um kurz vor zehn Uhr morgens losflogen, mussten wir rund zwei Stunden vorher vor Ort sein. Zu Zweit wäre es vielleicht kein Problem. Praktisch mussten wir zum einen den Berufsverkehr (einmal durch Ruhrgebiet und bis Düsseldorf am frühen Morgen – juchuuu!) und zum anderen den Schlafrhythmus unserer Tochter berücksichtigen. Wir hätten hier um ungefähr fünf Uhr morgens losfahren müssen….dazu aufstehen um vier Uhr. Man muss dazu sagen, dass keiner bei uns ein Morgenmensch ist. Letztendlich entschlossen wir uns dazu, bereits am Abend vorher anzureisen und in einem Hotel in Flughafennähe zu übernachten. Dadurch konnten wir sogar bis sechs Uhr schlafen, was dem normalen Alltag entspricht. Es gab ein Frühstücksbuffet und wir waren dann innerhalb von 10 Minuten am Flughafen. Für uns war das wirklich deutlich entspannter und das Geld war es wert!

Vorbereitung des Kindes


Längere Zeit vor dem Urlaub haben wir unsere Tochter mit Büchern auf das Thema Flughafen und Fliegen vorbereitet. Auf einer Tour kamen wir auch am Amsterdamer Flughafen Schipohl vorbei, wo sie die startenden und landenden Flugzeuge bestaunen konnte. Darüber hinaus gab es in der Bibliothek einen großen Fundus zum Thema: Neben Büchern waren für uns insbesondere Hörbücher, in denen andere Kinder in den Urlaub fliegen, eine schöne Erfahrung. Diese hörte sich unsere Tochter sehr oft an und wollte dann auch immer direkt losfliegen. Sie wusste ganz genau, welche Schritte wie zum Beispiel Gepäckaufgabe, Passkontrolle, Abtasten etc. sie vor dem Flug erwarten. Dadurch war das Erlebnis „1. Flug“ schon von Anfang an mit Vorfreude und positiven Gedanken/ Gefühlen belegt. Ich muss allerdings dazu sagen, dass weder mein Mann noch ich an Flugangst leiden – ganz im Gegenteil.

Die Zeit vor dem Abflug spannend gestalten


Wenn man dann endlich durch alle Checks durch ist, bleibt meistens noch sehr viel Zeit, die man am Gate mit Warten überbrücken muss. Während wir uns früher einfach hingesetzt und gelesen haben, geht das mit kleinen Kindern meistens nicht. Daher haben wir uns im Vorfeld überlegt, was wir in der Zeit machen können. Zuerst haben wir uns alle Duty-Free-Shops angesehen, dann konnte man an großen Fensterfronten andere Flieger starten und landen sehen. Es gab sogar vereinzelte Spielecken, die wir intensiv genutzt haben. Insgesamt war es für sie schon aufregend genug, durch den Terminal zu gehen und zu schauen, was es alles gibt, was alles passiert, wie viele unterschiedliche Menschen unterwegs sind…Es ist in jedem Fall gut, sich dazu im Vorfeld einige Gedanken zu machen.

Sitzplätze schon vorher reservieren

Einer der besten Tipps: Reserviert schon lange im Vorfeld die Sitzplätze. Dadurch könnt Ihr zum einen die Sitzreihe bestimmen und zum anderen sichergehen, dass ihr auch nebeneinandersitzen könnt. Denn dies ist nicht unbedingt selbstverständlich und eine Überraschung, auf die ich gerne verzichten wollte. Wir entschieden uns für Sitzreihen relativ am Anfang (Reihe vier auf dem Hinflug). Abgesehen davon, dass Familien mit Kindern und Behinderte sowieso zuerst einsteigen durften, war es so, dass als nächstes die ersten Flugreihen dran kamen. Vorher hatte ich gelesen, es wäre sinnvoll, wenn ein Elternteil zuerst einsteigt, am Platz alles vorbereitet und das zweite Elternteil mit dem Kind ganz zum Schluss einsteigt, wenn alle andere Passagiere bereits sitzen. Wir haben es anders gemacht und sind sofort zu Beginn komplett eingestiegen. Abgesehen davon, dass ich mich fragte, was man am Platz alles einrichten möchte (wirklich Platz hat man ja nicht gerade….), war es für uns gut, dass es nach dem langen Warten endlich losging. Im Flugzeug angekommen war ich auch sehr froh, endlich sitzen zu können. Das Einsteigen der anderen Passagiere zog sich nämlich gefühlt unendlich in die Länge. Manche fanden ihren Platz nicht, andere hatten Probleme mit dem Handgepäck und es dauerte ewig. Unsere Tochter bekam davon nicht so viel mit. Sie schaute aus dem Fenster und beobachtete, was draußen geschah (Gepäck wurde in Flugzeuge geladen etc.). Daher kann ich persönlich nur empfehlen, direkt einzusteigen. Zuletzt einzusteigen hätte in unserem Fall noch mal eine dreiviertel Stunde weiteres Warten am Gate bedeutet. Sitzplätze ganz vorne kommen Euch schließlich auch bei der Landung zu Gute – denn dann könnt direkt zu Beginn aussteigen.

Unterhaltungsprogramm planen

In unserem Flieger gab es als einzige Unterhaltung die wahnsinnig spannende Bordzeitung und einen Zettel mit Verhaltenstipps im Notfall. Super spannend für Kinder. Daher hatte ich im Vorfeld ins Handgepäck Sachen eingepackt, die unsere Tochter vorher noch nicht kannte. Es war etwas Neues und somit von Natur aus schon spannend. Dazu gehörten zwei, drei Pixi-Bücher, ein Wimmelbild-Büchlein, ein neuer Malblock und ein kleines Päckchen Buntstifte. Dazu hatten wir unser Surface mit kurzen Kinderfilmen bestückt (z.B. Sendung mit der Maus-Clips, Janoschs Traumstunde, Leo Lausemaus). So vergingen die Stunden auf dem Hinflug ganz gut. Anfangs dachte ich, dass es schon sehr spannend sei, einfach aus dem Fenster zu schauen. Aber falsch gedacht, sobald wir über den Wolken waren, gab es natürlich nicht viel mehr außer Watte zu sehen. Bei allem, was wir mitgenommen haben, habe ich darauf geachtet, dass es kein schweres Gepäck verursacht und nicht zu groß ist im Rucksack. Pixi-Bücher sind klein und ein Leichtgewicht, ähnlich auch der kleine Malblock und das Stifte-Set.

Proviant einpacken
Eigentlich ein logischer Punkt, das macht man ja auch für sich selbst. Wichtig war für uns, ausreichend Wasser (muss man leider zu unverschämten Preisen am Gate kaufen) und dann – wie bei der Unterhaltung – spannende Snacks. Also Dinge, die es sonst nicht so gibt. Neue Müsliriegel zum Beispiel. Um den Druck auf den Ohren bei Start und Landung angenehm zu machen, hatten wir Weingummi und kleine Rosinchen dabei. Durch das Kauen und Schlucken war es für unsere Tochter kein Problem. Normalerweise werden ja Kaugummi und Bonbon empfohlen. Dies fand ich jedoch für Kleinkinder ungeeignet.

Mini-Reiseapotheke
Wir wussten im Vorfeld nicht, wie die Kleine auf den Flug reagieren würde. Daher wollten wir sicherheitshalber für potentielle Notfälle gerüstet sein. Aus diesem Grund packten wir eine Mini-Reiseapotheke ausschließlich für das Handgepäck. Alles fand Platz in einem dieser durchsichtigen Plastikbeuteln, also kein großer und schwerer Posten. Letztendlich haben wir nichts gebraucht, aber wir hatten folgendes dabei:
a) eine Miniprobe Tigerbalsam (zum Schnuppern bei Übelkeit, gegen Kopfschmerzen und verstopfte Nase)
b) Reise-Kaugummis gegen Übelkeit
c) Islamoos-Halstabletten
d) Meerwasser-Nasenspray gegen verstopfte Nase
e) Rescue-Globulis (helfen in akuten Notsituationen, Panik, Schock etc.)f) Handdesinfektion

Warme Kleidung & Wechselset
 
Ja, wir flogen zwar von der Kälte in die Wärme und viele Leute im Flugzeug hatten entsprechend sommerliche Kleidung an. Aber was man nicht vergessen darf, ist die Klimaanlage im Flugzeug. Man sitzt eigentlich ununterbrochen im kalten Windzug. Daher hatten wir uns im Zwiebelprinzip angezogen, einen dünnen Schal um den Hals und für unsere Tochter eine dünne Mütze (keine Wintermütze!). So überstanden wir den kalten Flug ohne Erkältung und Kopfschmerzen und konnten gesund in den Urlaub starten. Vor Ort war es natürlich direkt warm, aber dank dem Zwiebelprinzip stellte das kein Problem dar. Darüber hinaus hatten wir ein Set an Wechselkleidung für unsere Tochter mit für den Fall von Übergeben. Dazu natürlich auch einen Müllbeutel für die in diesem Fall verschmutzten Klamotten.

Transport vom Flughafen zum Hotel individuell planen
 Dieser Punkt rettet uns zum Schluss den Tag! Natürlich, es ist mit Kosten verbunden, anstelle des kostenlosen Busshuttels einen Privatwagen mit Fahrer zu buchen. Aber den Stress, den man sich damit spart, wiegt alles Geld der Welt auf. Nach der Landung hieß es nämlich wieder warten – dieses Mal auf die Koffer, was über eine Stunde in Anspruch nahm. Wir waren alle etwas müde und die Stimmung drohte zu kippen. Unsere Tochter hatte keine Lust mehr und ganz ehrlich, wir auch nicht. Hätten wir den Busshuttle genommen, hätten wir erst einmal an einem Sammelpunkt mit vielen anderen Reisenden auf den Bus warten müssen. Dann musste der Bus ausreichend voll sein. Schließlich folgte die Fahrt zu diversen Hotels….bis zu unserem Hotel hätten wir als reine Fahrtzeit dann über zwei Stunden berechnen müssen. Mit quengeligem Kleinkind der Hit!
Das war dann das Schönste: Mit dem Gepäck gingen wir zu unserem vorab in Deutschland gebuchtem Privatwagen. Man half uns mit dem Gepäck und reichte uns ein paar Flaschen Wasser. Dann ging es direkt los und innerhalb von 50 Minuten waren wir am Hotel angekommen. Unsere Tochter schlief während der Fahrt ein, sodass sie recht gut gelaunt war, als wir am Hotel ankamen. Praktischerweise konnten wir vor Ort direkt in unser Zimmer und es gab nach einer halben Stunde schon Abendessen. Auch dies hatten wir bei unserer Flugplanung berücksichtigt. Kommt man früher an, muss man gegebenenfalls erst auf sein Zimmer warten. Kommt man später an, kann man zwar ins Zimmer, es gibt jedoch kein Abendessen mehr. Beides keine gute Kombination mit kleinen Kindern.

Vielleicht klingt das alles nach einem riesigen Koffer Handgepäck und viel Geschleppe. Aber in der Praxis passte alles in einen Rucksack. Dazu kamen noch die üblichen Dinge wie Reiseunterlagen, Pässe, Taschentücher und für mich mein Kindle zum Lesen.

Alles in allem hatten wir wirklich einen sehr entspannten Flug mit unserer Tochter und würden dieses Abenteuer immer wieder wagen. Allerdings nur mit einer guten Vorbereitung!

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