Die ersten drei Monate ODER Meine Tipps gegen starke Schwangerschaftsübelkeit

Inzwischen bin ich im sechsten Monat und die ersten drei Monate, besser gesagt vier, sind – Gott sei Dank – vorbei.
Ich weiß nicht, wie es Euch ging oder geht – ich fühlte mich hundselend.

 

Aber zurück zum Anfang.

Ich bemerkte die Schwangerschaft im Urlaub. Im November verbrachten wir eine wunderschöne Woche an der stürmischen Nordsee in Holland. In dieser Woche sollte es sich entscheiden – schwanger ja – schwanger nein. Ich merkte schon, dass ich in dieser Woche stark auf alle möglichen Gerüche reagierte, aber es ging noch.
Kaum waren wir zuhause ging es dann so richtig los. Mir war schlecht und das nicht nur morgens. By the way, wer hat eigentlich diesen Begriff Morgenübelkeit erfunden? Gibt es das? Nun ja, mir war morgens, mittags, abends, nachts schlecht, einfach immer und ohne Unterbrechung. Ich wusste nicht, wo ist vorne, wo ist hinten und fühlte mich einfach nur fertig. Man kann das mit Worten gar nicht richtig ausdrücken. Dazu permanente, bleierne Müdigkeit.

Mein Hauptproblem war, dass ich bis mittags arbeitete und den Nachmittag mit unserem Wirbelwind verbrachte. Früher kein Problem, sondern sehr schön. Aber jetzt mit dieser Übelkeit und unerträglichen Müdigkeit stellte ich mir die Frage, wie ich den Tag nur überleben sollte.
Anfangs hatte ich noch einen anderen Gynäkologen, der mir Vomex-Tabletten verschrieb. Diese führten bei mir allerdings zu Magen-Darm-artigen Problemen. Nun war mir nicht nur schlecht, sondern ich fühlte mich komplett krank. Das war also keine Lösung. Dieser Arzt zeigte dafür jedoch keinerlei Verständnis, ich arbeite also die gesamte Zeit durch und musste natürlich zusehen, dass es die lieben KollegInnen nicht bemerken.

Ich habe vieles ausprobiert, um der Übelkeit zu entkommen – hier meine besten Tipps. Vielleicht helfen sie der einen oder anderen. Das Meiste ist wirklich gut umzusetzen, auch ohne komplizierte Zutaten. Auf Platz eins – der banalste und einfachste Tipp mit der bei mir besten Wirkung ist beispielsweise Essen.
Also, los geht´s!

  1. ESSEN!
    Ja, es klingt wirklich unglaublich, aber essen half bei mir immer dann, wenn ich dachte, jetzt halte ich es nicht mehr aus. So kam es, dass ich die ganze Zeit fast ununterbrochen an Zwieback, Salzstangen oder Crackern geknabbert habe. Alles, was ich vorher lecker fand, konnte ich nicht ohne Brechreiz zu mir nehmen (Müsli zum Frühstück, Obst, Gemüse…). Darüber hinaus ist auch ein Check der eingenommenen Vitamine hilfreich. So hatte ich beispielsweise gelesen, dass in den USA bei Schwangerschaftsübelkeit eine erhöhte Dosis von Vitamin B6 empfohlen wird. Offensichtlich reichte der Anteil in meinen Mama-Tabletten noch nicht aus. Nach einer Beratung in der Apotheke hielt ich eine Packung „Nausema“ in den Händen, ein Vitaminpräparat, das genau auf den Beginn der Schwangerschaft abgestimmt ist. Es enthält neben B6 auch noch die Vitamine B1 und B12. Tatsächlich hatte ich hier das Gefühl, dass mir dies enorme Erleichterung verschaffte.
  2. FRISCHE LUFT
    Draußen spazieren gehen hat mir auch gut geholfen. Leider kann man ja nicht ununterbrochen spazieren gehen, zumal das Wetter in dieser Zeitspanne (November bis Januar) alles andere als berauschend und einladend war. Aber selbst das war mir so egal, ich dachte nur noch daran, diese Phase zu überstehen.
  3. INGWERHALTIGE GETRÄNKE
    Ähnlich wie beim Essen – alle vorher geliebten Getränke (Tee, Wasser) waren mir ein Graus. Es gingen nur noch Getränke mit Kohlensäure, am besten Gingerale. Das trinke ich normalerweise nie, aber hier hatte ich den unerklärlichen Drang und es half etwas. Abends frischen Ingwer mit heißem Wasser und Zitrone war auch wohltuend. Jetzt, wo mir nicht mehr schlecht ist, ist auch diese Lust auf Gingerale wieder vergangen.
  4. GLOBULI NUX VOMICA
    Diese Globulis hatte ich bereits in der ersten Schwangerschaft verwendet, damals jedoch ohne Erfolg. Dieses Mal versuchte ich es erneut, aber auch nach längerer Einnahmedauer zeigte sich keine Wirkung. Ich vermute, es war für mich einfach das falsche Mittel. Natürlich, ich hätte einen Heilpraktiker aufsuchen können – jedoch lag mein soziales Leben aufgrund der Symptome sowieso schon eher brach. Das hätte ich einfach nicht geschafft.
  5. FRISCHE DÜFTE MIT WOLLSCHAL
    Eventuell ein ungewöhnlicher Tipp, der mir jedoch in brenzligen Situationen gute Dienste geleistet hat. Eine solche Situation war beispielsweise das Abholen meiner Tochter aus dem Kindergarten. Neben ihrer Garderobe lag der Wickelraum und der Geruch von dort brachte mich stark an meine Grenzen. Also – praktischerweise war ja Winter – hatte ich meinen Wollschal bis über die Nase gezogen und von innen frische Düfte aufgetragen, zum Beispiel Minze oder Zitrone. So habe ich dann beim Abholen intensiv in den Schal geatmet. Das sah wahrscheinlich ziemlich seltsam aus, aber immer noch besser als sich dort im Kindergarten übergeben zu müssen. Dieser Tipp ist auch gut, wenn man – wie in meiner ersten Schwangerschaft – morgens auf dem Weg zur Arbeit den Bus oder die U-Bahn nehmen muss (für Geruchsempfindliche dann ein Graus) oder an sonstigen bedenklichen Gerüchen vorbeikommt. Ich war jedenfalls draußen nur noch mit Schal unterwegs – vorsichtshalber. Und im Winter wie gesagt nicht auffällig.
  6. NEI-KUAN-PUNKT DRÜCKEN
    Während meiner Recherchen habe ich vom Nei-Kuan-Punkt gelesen. Dieser befindet sich drei Fingerbreit unter dem Handgelenk. Man soll ihn alle paar Stunden drücken und angeblich vergeht die Übelkeit nach einiger Zeit. Damit habe ich begonnen und nun ja…ich weiß nicht, ob es wirklich was gebracht hat. Die Übelkeit blieb jedenfalls. Aber: Die zugehörigen Studien klangen sehr erfolgsversprechend… Das ist vor allem auch eine Methode, die man sehr gut und unauffällig im Büro durchführen kann.
  7. SCHLAFEN
    Auch einer meiner Lieblingstipps: Schlafen! Solange man schläft, bemerkt man die Übelkeit nicht. Wie praktisch! Allerdings in einem Alltag mit Arbeit, Haus und Kind nur schwerlich umzusetzen. Ich habe in der Zeitspanne zwischen Feierabend und Kind-Abholen wirklich geschlafen und mir einen Wecker gestellt. Dazu ging ich abends sehr früh ins Bett, oft schon um 19 Uhr. Inzwischen schaffe ich es sogar, bis halb zehn wach zu bleiben…heyyyy!
  8. SICH NICHT VÖLLIG ISOLIEREN
    Klar, am liebsten hätte ich das Haus nicht mehr verlassen, was jedoch rein praktisch schon nicht möglich ist. Meine heftigste Phase fiel leider auch noch genau in die Advents- und Weihnachtszeit, eine Zeit, in der ich sonst viel unternommen habe. Treffen mit Freunden, Weihnachtsmarktbesuche, Adventskaffee bei der Familie….erst dachte ich, ich sage alles ab, das schaffe ich nicht. Aber irgendwie fand ich es auch schade. Schließlich ist für mich der Advent immer eine ganz besondere Zeit und gerade mit Kindern kann man diese Monate besinnlich gestalten. Wir trafen also Freunde und gingen mit ihnen auf einen Waldweihnachtsmarkt – trotz aller Bedenken konnte ich es genießen, einfach mal rauszukommen und darüber zu reden. Und es war an der frischen Luft. Auch Kaffee/Tee und Kuchen mit der Verwandtschaft habe ich als schön in Erinnerung. Natürlich die Weihnachtsvorbereitung gerade in dieser Schwangerschaftsphase eine deutliche Herausforderung, aber ich habe versucht, mich auf die schönen Momente zu konzentrieren.
  9. SICH POSITIV ZUREDEN
    Das ist auch ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Punkt. Oft dachte ich nur verzweifelt: „Geht das auch noch mal vorbei?“ Vor allem, als dann schon der vierte Monat anbrach und sich keine Besserung einstellte. Aber ich redete mir immer ein, dass es bei der ersten Schwangerschaft auch ein Ende hatte und dass es am Ende für all die Mühen die wundervollste Belohnung gibt, nämlich ein kleines Baby. Auch der erste Ultraschall, bei dem wir unser Kind zum ersten Mal sahen und den Herzschlag hörten, war ein Höhepunkt, der mir half. Später wechselte ich meinen ersten Arzt und die neue Ärztin war viel verständnisvoller. Sie sagte, dass die Übelkeit ein Hinweis für eine intakte Schwangerschaft sei. Dies ist – insbesondere in dem doch von Unsicherheiten gekennzeichneten ersten Trimester – eine bestärkende Aussage für mich gewesen.
  10. DIE RICHTIGEN MENSCHEN
    Es gibt Menschen, die einem zuhören, die Mut machen, die bestärken – kurz, die einem einfach gut tun, denen man vertrauen kann. Und dann gibt es solche, nach deren Kontakt man sich völlig ausgelaugt und negativ fühlt. Vielleicht sogar traurig, an sich selbst zweifelnd. In meinem Fall zählte leider ausgerechnet meiner erster Gynäkologe zur letzten Kategorie. Gerade in der Schwangerschaft wünscht man sich ja einen empathischen Arzt, der einen ernst nimmt. Diesen für mich dramatischen Wechsel beschreibe ich mal in einem anderen Posting. Jedenfalls fand ich später eine neue Ärztin, die einfach wundervoll ist. Sie arbeitet zusammen mit einer Hebamme, die ich bei jedem Besuch zu einem Gespräch treffe. Auch sie empfinde ich als sehr ermutigend. Dazu kommt natürlich mein Mann, der mich in dieser Zeit mit allem, was in seiner Macht stand, unterstützte. Er machte trotz Vollzeitjob den kompletten Haushalt und ich musste nichts machen. Dazu eine liebevolle Freundin. Ich habe es auch sehr geschätzt, dass mein Vater vorbeikam und ab und zu am Nachmittag mit unserer Tochter spielte.
    Mit den „richtigen Menschen“ fühlte ich mich nicht ganz so verlassen im Übelkeitsuniversum, da ich wusste, es gibt doch jemanden, der das alles kennt und auch dafür Verständnis hat.

Im Verlauf des vierten Monats ließ die Übelkeit dann langsam nach. Ich war so unendlich dankbar dafür! Endlich konnte ich wieder am normalen Alltagsleben teilnehmen. Endlich und zum ersten Mal konnte ich die Schwangerschaft auch in vollen Zügen genießen. Ich wurde wieder aktiv, kümmerte mich um eine Nachsorgehebamme und einen Geburtsvorbereitungskurs. Wir unternahmen einen kleinen Kurztrip. Mein Mann und ich gingen zu Zweit gemütlich essen. Es ist so, als würde man nach einer Art Winterschlaf neu zum Leben erwachen, alles intensiver wahrnehmen und dafür einfach nur tiefe Dankbarkeit und Freude empfinden.

Also, egal, wie schlecht Euch ist – es geht vorbei! Das ist jetzt leichter gesagt als getan, aber der Zustand ist in dem Moment nun mal so wie er ist. Man kann es –meistens- nicht so einfach ändern. Man kann ihn nur akzeptieren und versuchen, ihn sich mit kleinen Hilfsmittel einigermaßen so gut es geht zu erleichtern.

Liebe Grüße